Wohlverdienter Ruhestand nach 47 Jahren im Amt

Unter großer Anteilnahme verabschiedet Apostel Rolf Wosnitzka den Vorsteher der Gemeinden Gotha und Ohrdruf, Hirte Herbert Ludwig, in den Ruhestand und beauftragt zwei neue Vorsteher für die Gemeinden Gotha und Ohrdruf.

Schon im Eingangsgebet ist die große innere Bewegung zu spüren, die die Besonderheit dieses Gottesdienstes mit sich bringen sollte. Als Bibelwort, nicht zuletzt dem besonderen Anlass geschuldet, so der Apostel, dient Psalm 84, 13:

„Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!“

Bezug nehmend auf das Lied der Sänger „Ich glaube fest, dass alles anders wird“ (CB 332) stellt der Apostel den Glauben der Christen in den Vordergrund. Glaube muss erlebt werden, verlangt nach Gemeinschaft, braucht die Gemeinschaft von Bruder und Schwester und baut auf Gottvertrauen. Schon in diesen Augenblicken wird deutlich, wie Hirte Herbert Ludwig genau diesen Glauben über viele Jahrzehnte, in unterschiedlichen Gesellschafts- und Lebensverhältnissen, unverrückbar in seinem Herzen trug.

Eingehend auf das Bibelwort nennt der Apostel die Überschrift des 84. Psalm: „Freude am Hause Gottes“. Diese Aussage verdeutlicht eine christliche Grundstimmung, auch wenn die Verhältnisse des Einzelnen sehr unterschiedlich sind. Durch Vertrauen auf diesen Herrn Zebaoth, Herrscher der himmlischen Heerscharen, ist diese Grundstimmung dennoch möglich. Einige Eigenschaften dieses Herrn Zebaoth werden deutlich:

  • Er ist ein Gott der Wahrheit. Was er zusagt, geht in Erfüllung. Bei den Menschen ist es nicht immer so. In vielen Situationen sucht man u. a. nach Formulierungen, mit denen man sich nicht festlegt und damit die Verantwortung für das Gesagte zum Teil von sich weist.
  • Er ist ein Gott der Allmacht. Alles, was uns umgibt, Sichtbares wie Verborgenes, hat Gott geschaffen. Damit ist er Herr über alles und kann auch alles nach seinem Willen gestalten.
  • Er ist ein Gott der Liebe. Durch diese Liebe sind wir seine Kinder, Gotteskinder, und dürfen „himmlischer Vater“ zu ihm sagen. In allen Lebenslagen schenkt er uns seinen Engelschutz zur Seite.
  • Er ist ein Gott der Gnade und Gerechtigkeit. Schnell sind wir als Menschen geneigt, unseren Nächsten zu verurteilen, wenn wir von ihm einmal ungerecht behandelt wurden. Wir meinen, Gott müsse Recht sprechen und diesen bestrafen. Aber er ist ein Gott der Gnade, jeder Mensch kann zu ihm kommen und Gnade empfangen. Auch wir wollen unserem Nächsten in dieser Weise begegnen.

So, wie wir uns auf diesen Gott verlassen können, möge in uns der Wunsch entstehen, dass auch Gott sich auf uns verlassen kann. Als Gotteskinder haben wir ein Kindschaftsverhältnis zu Gott. Als Kind genießt man nicht nur Vorteile, sondern man hat auch Aufgaben zu erfüllen.

  • Gotteskinder tragen den Glauben nach außen, so dass alle Menschen die Chance haben, Gott zu erkennen. Das Jahreswort 2014 „Mit Liebe ans Werk!“ ist hier Programm. Leider wollen viele Menschen in unserer Gesellschaft nichts von Gott wissen, man stellt sich selbst in den Vordergrund. Kaum irgendwo auf der Welt gibt es so viele Atheisten wie in unserem Umfeld. Hier besteht die Aufgabe für alle Christen darin, mit von Gott geschenkten Gaben wie z. B. Mut und Zuversicht das Evangelium, die frohe Botschaft, weiterzugeben.
  • Gotteskinder sind aufgefordert, Nächstenliebe zu praktizieren. Darin will Gott allen Menschen nahe sein. Nächstenliebe heißt, Gutes tun in unserem Umfeld; auch hierin soll sich Gott auf uns verlassen können:

Mit dem Lieblingslied des Hirten Herbert Ludwig „Geh‘ nicht vorbei“ bereitet der Männerchor den Weg für dessen anschließenden Predigtbeitrag. In diesem bringt er der Gemeinde nahe, dass er seit 1969 Tagebuch führt. Dort kann man nachlesen, wie er die Worte aus dem Refrain des vorgetragenen Männerchorliedes in die Praxis umgesetzt hat: „Wo Lieb‘ und Treu die Wache hält, da ist’s im Herzen wohl bestellt“. Diese Liebe zu seinen Glaubensgeschwistern, zu seinen Nächsten, wird auch mit dem Tag der Ruhesetzung kein Ende finden, so der Hirte. Weiterhin ruft er dazu auf, sich als Christ bewusst so zu verhalten, wie es Jesus Christus von uns erwartet. Mit einer kleinen Geschichte verdeutlicht er, dass ohne den Meister (Christus) nichts Vollkommenes entstehen kann: In einer Tischlerwerkstatt unterhalten sich Werkzeuge und Hilfsmittel und beanspruchen für sich, am wichtigsten zu sein, um z. B. ein Fenster zu werden. Zum Schluss blubbert die Farbe im Topf die Erkenntnis heraus, dass ohne den Tischlermeister nichts gelingen könne. So beschreibt der Vorsteher auch sein bisheriges sowie das in der Zukunft liegende Handeln.

Bischof Ralph Wittich geht in seinem Mitdienen nochmals auf das Vertrauen zu Gott ein. Wir können nicht nur vertrauen, weil Gott der Allmächtige ist, sondern auch, weil er unser himmlischer Vater ist. Wie ein Kind seinen Eltern vertraut, so können wir ihm vertrauen. Er ist ein mitwandernder Gott, der uns immer nahe ist und jederzeit eingreifen kann und das auch tut, wenn er will.

In Vorbereitung auf Sündenvergebung und Heiliges Abendmahl spricht der Apostel, eingehend auf Gedanken des Stammapostels, davon, dass es oftmals nicht leicht ist, sofort und alles dem Nächsten zu vergeben. Doch jetzt kommt die Gnade Gottes ins Spiel – Gott sieht auf das Bemühen!

Nach Sündenvergebung, Feier des Heiligen Abendmahles, auch für die Entschlafenen, das der Apostel im Auftrag des Bezirksapostels durchführt, wird nun der bisherige Vorsteher der Gemeinden Gotha und Ohrdruf, Hirte Herbert Ludwig, zur Verabschiedung in den Ruhestand an den Altar gerufen. Das vom Chor vorgetragene Lied „Anker in der Zeit“ beschreibt dessen Wirken sehr gut, so der Apostel. Der Herr ist der Meister und er braucht Werkzeuge, wovon eines unser Vorsteher war. Und er war ein schönes Werkzeug, mit dessen Hilfe Gott u. a. Mut, Kraft, Zuversicht, Frieden und Motivation schenken konnte. Herbert Ludwig war offen für Neues, behielt aber immer das Wesentliche im Focus. In mehreren Amtsstufen war er seit Februar 1967, also nahezu 47 Jahre, davon über 30 Jahre als Vorsteher in verschiedenen Gemeinden, als Amtsträger segensreich tätig. Sein Tun, das aus Liebe zu Jesus Christus und zu den Anvertrauten geschah, hat wohlgetan. Hirte Ludwig bemühte sich im Umgang mit anderen Christen im Bereich um ein von Wertschätzung geprägtes, segensreiches Miteinander.

Ein besonderer Dank gilt seiner Ehefrau Bärbel und seiner ganzen Familie. Oftmals mussten diese auf den Ehemann und Vati verzichten und doch ermutigte ihn seine Bärbel immer wieder in seiner Aufgabe. Auch in Zukunft wird das Mittun im Werke Gottes nicht aufhören, getreu dem Grundsatz des Stammapostels Schneider, dass Seelsorge nicht allein Sache des ordinierten und beauftragten Amtes ist, sondern Aufgabe eines jeden Christen.

Um die entstandene Lücke zu schließen, beauftragt der Apostel im Anschluss Evangelist Michael Schwind als Vorsteher für die Gemeinde Gotha und Bezirksevangelist Stephan Splissgart zusätzlich zu seiner Aufgabe im Bezirk als Vorsteher für die Gemeinde Ohrdruf. Die Sänger haben, so der Apostel, eine wunderbare Antwort auf die sicher im Herzen stehenden Fragen der zukünftigen Vorsteher gegeben: „Habe deine Lust am Herrn..., er wird’s wohl machen.“

Nach Schlussgebet und Schlusssegen, in dem der Apostel einmal ganz besonders um Weisheit und Umsicht für die politisch Verantwortlichen in unserer Gesellschaft bittet, nutzen der Oberbürgermeister der Stadt Gotha, Herr Knut Kreuch und die Bürgermeisterin der Stadt Ohrdruf, Frau Marion Hopf, die Gelegenheit, den nunmehr im Ruhestand stehenden Vorsteher und Hirten entsprechend zu würdigen und ihren persönlichen Dank für die äußerst angenehme Zusammenarbeit auszusprechen.

Angefüllt mit Freude und der Sicherheit, es wird gut weiter gehen in Gotha und Ohrdruf, verabschieden sich die Gottesdienstbesucher.